Koraninterpretation

" Sie haben recht: das Alte Testament ist durch den Neuen Bund nicht aufgehoben, sondern erfüllt. Aber sehen Sie es mir nach, ich werde hier keine theologische Diskussion mit Ihnen führen. Ich wäre Ihnen aber dankbar, wenn Sie die feinsinnigen Unterscheidungen, mit denen Sie das Christentum zur Akzeptanz führen, auch für den Islam durchführen oder zumindest akzeptieren würden."

Antwort

Wie interpretieren orthodoxe Muslime Ihre Schrift den Koran?

1. Der Koran stammt von Allah höchstpersönlich. Jedes Wort des Koran ist ein göttliches Wort. Allah spricht im Koran direkt zu Mohammed, der die göttliche Verkündung an die Muslime weiterzugeben hat. Das Buch wird folglich verehrt wie ein Heiliger.

2. Der Koran erklärt selber von sich, wie er auszulegen ist. Danach ist der Koran in klarem Arabisch geschrieben. Muslime haben den Koran als ganzes zu befolgen. Er stellt gleichsam das Gesetzbuch der Muslime dar.

Sure 2, Vers 2: "Dies ist (ganz gewiß) das Buch (Allahs), das keinen Anlaß zum Zweifel gibt, (es ist) eine Rechtleitung für die Gottesfürchtigen..."

Eine historisch kritische Auslegung des Textes ist vollkommen unbekannt. Der Koran wird in der Regel wörtlich verstanden. Ferner werden bei der Interpretation, die historischen Umstände der Offenbarung berücksichtigt.

Da der gesamte Koran Gesetz ist, musste ein Verfahren dafür gefunden werden, was Gesetz ist, wenn Widersprüche auftauchen. Dieses Verfahren heißt Abrogation. Danach löschen zeitlich später offenbarte Textpassagen ältere Verse des Koran aus. Die Abrogation beruht auf dem folgenden Koranvers:

Sure 2, Vers 106 Wenn Wir eine Aya aufheben oder der Vergessenheit anheimfallen lassen, so bringen Wir eine bessere als sie oder eine gleichwertige hervor. Weißt du denn nicht, daß Allah Macht über alle Dinge hat?

So jetzt möchte ich dieses Verfahren anhand zweier sehr bekannter Koranverse demonstrieren:

Sure 2, Vers 256. Es gibt keinen Zwang im Glauben. Der richtige Weg ist nun klar erkennbar geworden gegenüber dem unrichtigen....

Der richtige Weg ist der Islam. Erkennbar geworden ist der Weg aufgrund der klaren Offenbarung des Koran. Offenbart wurde dieser Vers kurz nach der Emigration Mohammeds nach Medina, am Anfang seiner politischen Karriere als Staatsführer und Kriegsherr. Dort war er noch relativ schwach und bedurfte der Hilfe der jüdischen Stämme in Medina (Yatrib).

Sure 9, Vers 5. Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, und ergreift sie und belagert sie und lauert ihnen aus jedem 9, Hinterhalt auf. Wenn sie aber bereuen und das Gebet verrichten und die Zakah entrichten, dann gebt ihnen den Weg frei. Wahrlich, Allah ist Allvergebend, Barmherzig.

Götzendiener ist die Übersetzung für Muschrikun. Muschrikun sind Menschen, die Allah weitere Götter beigesellen. Das nennt sich Schirk und ist eine der größten Sünden im Islam. Offenbart wurde dieser Vers nachdem Mohammed Mekkah erobert hatte. Er stand also auf dem Gipfel seiner Macht.

Wie ist also dieser Widerspruch aufzulösen? Es gibt keinen Zwang in der Religion und tötet die Götzendiener? Nun, der Vers des Schwertes (Sure 9, Vers 5) wurde zeitlich nach dem Toleranzvers (Sure 2, Vers 256) offenbart und löscht Ihn insoweit aus. Es gilt das Tötungsgebotes des Schwertverses. Der Jihad gegen Muschrikun ist eine heilige Pflicht der Ummah, der Gemeinschaft der Muslime.

Das ist die orthodoxe Lesart des Koran. Der Islam ist die einzige mir bekannte Religion, die eine Kriegsdoktrin hat, Jihad genannt. Damit ist der Krieg gegen Ungläubige zum Zweck der Implementierung des göttlichen Gesetzes gemeint. Es gibt zu diesem Thema unzählige Bücher islamischer Theologen. Es besteht Einigkeit darin, dass der Jihad eine kollektive Pflicht der Ummah ist.

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