Bat Yeor und der "nationalistische Kulturkampf"



Spiegel: Das wahnwitzige 1500-Seiten-Manifest des norwegischen Massenmörders Anders Breivik hat die Namen seiner ideologischen Vordenker weltweit bekannt gemacht. Viele von ihnen bemühen sich nun um Schadensbegrenzung - denn die Bluttat gefährdet ihren nationalistischen Kulturkampf.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777315,00.html

Dieser Beitrag verrät eigentlich mehr über den Autoren, Herrn Frank Patalong, als über die kritisierten "Vordenker". Ich stelle fest: Keiner dieser Vordenker hat zum Mord an norwegischen Sozialdemokraten aufgerufen. Keiner dieser Vordenker heißt die Tat gut. Jeder dieser Vorgänger bedauert das Geschehene.

Damit müsste die Sache eigentlich ad Akta gelegt werden.

Vom Namen her kenne ich Bat Yeor. Sie soll auch Vordenkerin des "nationalistischen Kulturkampfes" sein. Bat Yeor heißt Tochter des Nils. Es handelt sich um eine jüdische Araberin, die in Kairo geboren wurde. Sie wurde aus Ihrer Heimat als Jüdin vertrieben. Sie ist mit David Littman verheiratet und lebt - so weit ich weiß - in der Schweiz.

Wenn also Bat Yeor über den Islam schreibt, dann ist das kein Ausländerhass oder Hass auf Araber. Sie stammt selber aus diesem Kulturkreis, sie ist selber Araberin.

Berühmt geworden ist Bat Yeor durch Ihre Studie über das orientalische Christentum unter islamischer Herrschaft. "Der Niedergang des orientalischen Christentums unter dem Islam. Vom Dschihad zum Schutzvertrag." Sie ist eine ausgezeichnete Historikerin von aller erstem Rang. Dieses Werk hat Ihren Ruhm begründet.

Bat Yeor hat den Begriff "Eurabia" geprägt. Damit meint sie die Islamisierung Europas, was sie als Gefahr versteht. Ich finde Ihre politischen Schriften auch hysterisch oder übertrieben. Mir scheint aber dieser übertriebene Tonfall daran zu liegen, dass die Europäischen Eliten in Politik und Medien in einer Art Opiumrausch befinden, in dem Ihre Wahrnehmung stark eingetrübt ist. Herr Patalong befindet sich zweifellos auch in diesem Zustand.

Aber es ist schon absurd, wenn eine jüdische Araberin, die aus Ihrer Heimat vertrieben wurde und als staatenlose Frau nach Europa emigrierte, jetzt als Vorhut oder Vordenkerin der Xenophobie und des Ausländerhasses gegenüber Türken und Arabern herhalten muss.

LG


Diracdamm

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