Grammatik: Nomen, Pronomen, Substantiv und Adjektiv

Nach längerer Diskussion über grammatische Formen, auch wenn die Spitzfindigkeiten letztlich egal waren, habe ich mich einmal auf die Suche nach den genauen Definitionen von grammatischen Begriffen gemacht. Ich musste dabei feststellen, dass die Zwiedeutigkeit der verwendeten Begriffe grausam ist.

II. Nomen

Jeder meint offenbar zu wissen, was ein Nomen ist. Aber die Bedeutung des Wortes Nomen schwankt stark. Was lesen wir da?

Der Begriff Nomen wird im Duden und in vielen Schulgrammatiken synonym mit der Bezeichnung Substantiv gebraucht.

Der Duden ist ja nun nicht irgendein beliebiges Werk. So habe ich den Begriff Nomen auch verstanden. Aber um jetzt zu begreifen, was ein Nomen ist, muss man wissen, was ein Substantiv ist:


Das Substantiv wird unterschiedlich definiert:
  • Hauptdefinition: „Wortart mit festem grammatischem Geschlecht, mit einem bestimmten Numerus und Kasus.[2]“ oder
ein Wort, das „deklinierbar und artikelfähig, jedoch nicht komparierbar ist.

Hmm, damit gibt es nach Hauptdefinition keine Substantive im Englischen, weil englische "Substantive" kein grammatisches Geschlecht besitzen. Dumm gelaufen. Auch die Artikelfähigkeit oder Deklinierbarkeit gefällt mir nicht.   Sind englische Substantive überhaupt noch "deklinierbar". Wie ist es mit dem Wörtchen "man" im Sinne von Menschheit? Da passt doch kein Artikel davor, denn "the man" heißt immer nur der Mann und niemals "die Menscheit". Gleichwohl ist es ein Substantiv!?

Das ist eine grammatische Definition. Aber wir sind noch nicht am Ende:

"Ein Substantiv kann Gegenständliches und Nichtgegenständliches bezeichnen. Es bezeichnet zum Beispiel ein Objekt (ein Ding, eine Sache), ein Lebewesen (Person, Tier, Pflanze), einen Sachverhalt (Situation etc.), einen Vorgang (wie eine Explosion), eine Eigenschaft (beispielsweise Schönheit) oder Begriff (eine abstrakte oder viel umfassende Sache, so wie Freiheit, Stolz oder Organisation, Staat)."

Das ist eine semantische Definition. Beides passt überhaupt nicht zusammen.

Wenn man unter "Gegenstand" lediglich "körperlicher Gegenstand" meint, dann ist es richtig zu sagen, dass ein Substantiv auch Nichtgegenständliches bezeichnen kann, wie einen Vorgang.  Aber man kann auch den Begriff "Gegenstand" im weiteren Sinne verstehen. So kann man vom Gegenstand einer Vorlesung sprechen. Wenn sich die Vorlesung mit der Freiheit oder der Schönheit befasst, dann war der Gegenstand der Vorlesung die Freiheit oder die Schönheit.

Ich schlage daher vor:

Ein Substantiv ist ein Wort, das einen Gegenstand im weiteren Sinne bezeichnet.
Alles, was Gegenstand eines Vortrags/Vorlesung/Schrift seien kann, ist ein Gegenstand im weiteren Sinne.

Auch ein Wort, das eine Tätigkeit beschreibt, wie "das Schreiben" kann Gegenstand im weiteren Sinne sein. Aber das Wort "schreibt" oder "schrieb" ist kein Substantiv, weil es kein Gegenstand im weiteren Sinne ist. "faul" kann nicht Gegenstand einer Vorlesung seien, aber " Faulheit" kann natürlich Gegenstand eines Vortrags sein, weshalb "Faulheit" ein Substantiv ist, während "faul" kein Substantiv ist usw...

Diese Definition dürfte relativ leicht erlernbar sein. Der Test ist einfach: Kann das Wort den Gegenstand einer Vorlesung bezeichnen?

Ist das jetzt eine semantische oder eine grammatische Definition? Man könnte sagen ja: Jedes Wort, das Subjekt eines Satzes seien kann, ist damit ein Substantiv. Man könnte aber auch sagen, dass das Substantiv ein Wort ist, das einen bestimmten Gegenstand im weiteren Sinne bezeichnet. Ich meine, dass beides richtig ist, sowohl die semantische als auch die grammatische Definition. Jedes Substantiv ist subjektfähig und jedes substantiv ist ein Gegenstand im weiteren Sinne.

Aber wir sind noch nicht am Ende mit unserer Definitionsmisere:

II. Nomen:

In der Sprachwissenschaft werden darunter nach dem Vorbild der lateinischen grammatikalischen Tradition allgemein die deklinierbaren Wortarten verstanden, also Substantiv, Adjektiv, Artikel, Numerale und Pronomen. Mit dem Begriff Substantiv (lat. nomen substantivum) ist dagegen nur die einzelne Wortart der Namenwörter gemeint (im Gegensatz zum Adjektiv, lat. nomen adjectivum). Obwohl auch Pronomina dekliniert werden, werden sie oft gesondert behandelt.

Das ist also die "wissenschaftliche" Definition von Nomen. Damit ist ein Substantiv nur eine spezielle Form von Nomen. Ist denn das Indefinitivpronomen "man" wirklich deklinierbar? Die Deklination (lateinisch declinare, „beugen“) in der Grammatik einer Sprache beschreibt formal die Regeln, nach denen bestimmte Wortarten (vor allem Substantive, Pronomen und Adjektive) gemäß den grammatischen Kategorien Kasus (Fall), Numerus (Zahl) und Genus (Geschlecht) ihre Form verändern. Wie verändert sich also das Indefinitivpronomen "man" gemäß dem Genus, der Zahl oder dem Fall?

Die Definition taugt also auch nichts. Statt von "deklinierbar" zu reden, wäre es sinnvoller auswendig zu lernen: Nomen sind Substantive, Adjektive, Artikel, Numerale und Pronomen. Wir werden aber gleich sehen, dass das auch keinen Sinn ergibt.

III. Pronomen

Als Pronomen (Mehrzahl Pronomina oder Pronomen) oder Fürwort wird in der traditionellen Wortartlehre eine (recht vielgestaltige) Wortart bezeichnet. Als Pronomen werden Wörter bezeichnet, die entweder stellvertretend für ein Substantiv (Nomen im engeren Sinn, genauer: für Substantiv/Substantivphrasem) stehen und substantivisch verwendet werden (Beispiel: Das Auto ist meines.) oder wie ein Artikelwort ein Substantiv begleiten (Beispiel: mein Auto)..."

Nun ja, das scheint mehr ein Sammelsurium zu sein als ein sytematischer Begriff. Am sinnvollsten scheint mir die Definition: ein Pronomen ist selber ein Nomen, das ein anderes Nomen ersetzt. Aus dieser Definition fällt aber "mein" aus "mein Auto" heraus. "mein" ist ein Adjektiv und kein Pronomen.

IV. Adjektive

"Das Adjektiv (lat.: ad iectivum, nach altgr.: epí theton – ‚das Hinzugefügte‘[1]) oder Eigenschafts- bzw. Beiwort, in der Grundschule auch Wiewort (Wie ist etwas?) genannt, ist in der Sprachwissenschaft die Wortart, welche die Beschaffenheit oder eine Beziehung eines (konkreten) Dinges, einer (abstrakten) Sache, eines Vorganges oder Zustandes usw. beschreibt."

Hier scheint das Substantiv wieder durch, wenn von konkreten und abstrakten Sachen, Vorgängen, Zuständen, die Rede ist. Danach ist also:

Ein Adjektiv ist ein Wort, das selber kein Substantiv ist aber die Eigenschaft eines Substantivs beschreibt.

Beispiele für Adjektive:

"Das schöne Buch."

"schöne" ist hier ein Adjektiv, weil es eine Eigenschaft des Buches beschreibt. Es beschreibt, wie ein Buch ist, nämlich schön!

"Das Buch ist schön."

Auch hier ist "schön" ein Adjektiv, weil es eine Eigenschaft des Buches beschreibt, nämlich seine Schönheit.

"Die Schönheit des Buches"

Schönheit beschreibt hier zwar eine Eigenschaft des Buches, es ist aber kein Adjektiv, weil es ein Substantiv ist. Denn die Schönheit kann Gegenstand einer Vorlesung sein.  Substantive sind aber per Definitionem keine Adjektive.

Aber, was muss ich dann lesen?


"Nach dem traditionellen Wortparadigma werden die Wortarten Adjektiv und Adverb (Umstandswort) unterschieden. Adverbien stehen beim Verb (lat. ad verbum), nicht jedoch beim Hilfsverb. Sie werden nicht flektiert, gelegentlich aber gesteigert. Vereinzelt werden Adjektive (im traditionellen Sinn) und Adverbien als Adjektive im weiteren Sinn zusammengefasst.[2]
Schulmäßig heißt es ausdrücklich, dass Adjektive sich „auf Substantive oder Verben“ beziehen können und attributiv (der schöne Tag), prädikativ (der Tag ist schön) oder adverbial (er singt schön) verwendet werden könnten.[3]
Adjektive werden im Deutschen in der Regel flektiert, wenn sie attributiv (der schöne Tag) verwendet werden, nicht jedoch bei prädikativem oder adverbialem Gebrauch. Unveränderliche Adjektive werden auch bei attributivem Gebrauch nicht flektiert (das rosa Kleid)."

Also, einmal sind Adjektive keine Adverbien. Im anderen Fall sind Adverbien nur spezielle Fomen von Adjektiven. Horror! Ich habe gelernt immer zwischen Adjektiven und Adverben zu unterscheiden, aber  Adjektiv heißt ja "das Hinzugefügte". Damit wird einem anderen Wort eine Eigenschaft hinzugefügt. Insofern kann ich mich der erweiterten Definition anschließen. Ich würde es dann folgendermaßen definieren:

Ein Adjektiv ist ein Wort, das selber kein Substantiv ist aber die Eigenschaft eines anderen Wortes beschreibt.

Wenn das andere Wort ein Substantiv ist, dann handelt es sich bei dem Adjektiv um ein Adjektiv im engeren Sinne. Wenn das andere Wort ein Verb ist, dann handelt es sich bei dem Adjektiv um ein Adverb.

Ich fasse jetzt mal mein Verständnis zusammen.

Nomen ist ein Synonym für ein Substantiv. Ein Substantiv ist ein Wort, das einen Gegenstand im weiteren Sinne beschreibt. Alles, was Gegenstand eines Vortrages oder einer Schrift seien kann, ist ein Gegenstand im weiteren Sinne. Ein Adjektiv ist ein Wort, das selber kein Substantiv ist aber die Eigenschaft eines anderen Wortes beschreibt. Ein Pronomen ist selber ein Nomen, das ein anderes Nomen ersetzt.

1 Kommentar:

  1. Nun, auch die Definition von "Adjektiv" ist wiederum vieldeutig. Beispiel:

    "Die Maschine läuft."

    "läuft" wird üblicherweise als "Verb" bezeichnet, weil es ein sogenanntes Tuwort ist. D.h. es beschreibt eine Tätigkeit oder einen Zustand. Allerdings beschreibt "das Laufen" auch eine Tätigkeit oder einen Zustand, gleichwohl ist es ein Substantiv.

    Üblicherweise sind Substantive keine Verben und Verben keine Adjektive. Allerdings beschreibt "läuft" eine Eigenschaft der Maschine. Sie befindet sich im Zustand des Laufens. Damit handelt es sich um ein Adjektiv im weiteren Sinne und im Engeren Sinne.

    Man muss die Kinder schon verstehen, wenn sie an der "Grammatik" verzweifeln und sie nicht verstehen. Wie kommen wir aus diesem Dilemma heraus?

    Ein Adjektiv ist ein Wort, das weder Substantiv noch Verb ist. Das Adjektiv beschreibt eine Eigenschaft eines anderen Wortes.

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