Zeitredakteur Lau und der Islam

In seinem Blog auf Zeit-Online hat der bekannte Journalist Jörg Lau seinen Applaus für die wohlmöglich erfolgende Beobachtung von Islamgegnern durch den Verfassungsschutz geäußert. Besonders echauffiert hat er sich über folgende Äußerung auf dem Internet-Blog PI:

… wie jüngst auf dem Anti-Islam-Blog “Politically Incorrect“. Da wurden Muslime im redaktionellen Teil vor die Wahl gestellt: „Abschwören oder ausreisen.“

Ich habe ihm dazu das Folgende geschrieben:

Sehr geehrter Herr Lau,
ich habe mir Ihren Blogeintrag durchgelesen und schreibe Ihnen, weil ich glaube, dass sie einen großen Fehler begehen. Ich habe früher ganz genau wie sie gedacht, bis ich mich mit dem Islam beschäftigt habe. “Die Lektüre des Koran hat mich das Fürchten gelehrt.” (Günter Wallraff).
Ich werde jetzt an einem konkreten Punkt erläutern, wo sie sich meiner Meinung nach irren:
“Da wurden Muslime im redaktionellen Teil vor die Wahl gestellt: „Abschwören oder ausreisen.“”
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam ein Immigrant aus einem alpenländischen Nachbarland nach Deutschland. Er hatte in seinem Gepäck ein Buch, da stand so allerhand drin. Er wollte einen Führerstaat aufbauen, er wollte einen Weltkrieg entfachen und er wollte die Juden ermorden. Hätten sie Ihn damals nicht gefragt. “Abschwören oder Ausreisen.”? Ich denke wir müssen heute noch die Folgen dafür schultern, dass unsere Vorfahren, das versäumt haben.
Jetzt werden sie sicherlich erwidern, aber der Nationalsozialismus ist doch keine Religion? Stimmt, aber wenn sich Adolf in seinem Wahn auf Gott berufen hätte, wenn er gesagt hätte, der Erzengel Gabriel übermittelt mir diese Befehle, hätten wir ihn dann aufnehmen sollen? Hätte das nur irgendetwas an seiner Weltanschauung legitimiert? Nein, sicherlich nicht. Der Inhalt seiner Weltanschauung/Religion war mit einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft unvereinbar. Eine Ausweisung Adolf Hitlers wäre gerechtfertigt gewesen.

Die Muslimischen Migranten kommen auch mit einem Buch in ihrem Gepäck, in dem allerlei demokratie- und verfassungsfeindliches steht. Sollte man da also unterschiedliche Maßstäbe anwenden? Sollten wir Ihnen nicht auch diese Frage stellen?

ich höre sie schon aus dem Off mir entgegenrufen: Aber in der Bibel, im alten Testament, steht auch so viel schändliches! Sollen wir jetzt auch alle Christen ausweisen?

Das ist ein guter Punkt. Aber dazu muss man beleuchten, ob die Christen die Tora als Ihr unumstößliches Gesetzbuch berachten. Wenn sie das nicht tun und sie diese Regeln nicht für anwendbar erklären, dann haben sie bereits abgeschworen. Sie wissen wahrscheinlich auch, dass Christen Schweinefleisch essen dürfen und dass sie sich nicht beschneiden lassen müssen. Für die meisten Christen gelten nur die 10 Gebote aus der Torah als unumstößliches Gesetz. Das heißt: Die große Mehrzahl der Christen hat bereits abgeschworen.

Die Einstellung, die Bibel sein das unbezweifelbare von Gott direkt verbal inspirierte Gesetzbuch, wird im Christentum als Fundamentalismus bezeichnet. Die großen Kirchen glauben, dass die Autoren der Bibel von Gott inspirierte aber gleichwohl fehlbare Menschen waren, wie Mose, Matthäus, Johannes, Paulus. Wie sieht es also mit Fundamentalisten aus, die auch die Steinigung von Ehebrechern aus dem alten Testament als zeitlos gültiges göttliches Gebot sehen, sollte man Ihnen die Frage stellen: “Abschwören oder Ausreisen”!? Selbstverständlich sollten wir das tun.

jetzt möchte ich Ihnen erläutern, welche theologische Bedeutung der Koran im Islam hat. Ich spreche jetzt für die orhtodoxe sunnitische und schiitische Lehre. Damit werden ca. 98% aller Muslime weltweit erfasst. Ich kann natürlich nicht für alle Sekten sprechen, die ich dem Namen nach wahrscheinlich gar nicht kenne.

Besorgen Sie sich die Encyclopedia of Islam und schlagen sie den Artikel Koran auf. Da werden sie lesen, dass die theologische Bedeutung des Koran im Islam nur mit der Rolle von Jesu im Christentum vergleichbar ist. So wie Jesus die Fleischwerdung Gottes ist, so ist der Koran die Buchwerdung von Gottes Wort. Die Verbalinspiration ist ein fundamentales Dogma des Islam. D.h. der sogenannte Fundamentalismus ist Mainstream und jeder, der davon abweicht, muss fürchten als Apostat getötet zu werden. Aus diesem Grund werden UN-Missionen in Afghanistan in Brand gesteckt, wenn ein Pastor in den USA den Koran verbrennt. Der Koran ist heilig. Seine Sprache ist heilig. Er muss auf Arabisch rezitiert werden. Durch die Rezitation tritt man in direkten Kontakt mit Gott usw… Der Kult um den Koran ist unvergleichlich.

Dann sollten sie noch das Abrogationsprinzip kennen. Weil das Buch zwar einerseits das unbezweifelbare Gesetzbuch der Muslime ist (Sure 2, Vers 2) aber andererseits widersprüchliche Anweisungen enthalten sind (Sure 2, Vers 256: Es gibt keinen Zwang im Glauben; Sure 9, Vers 5: …Töte die Heiden, woimmmer du sie findest…), musste ein Verfahren gefunden werden, was jetzt eigentlich gültig ist. Das Verfahren nennt sich Al Nasikh wa Al Mansukh. Gemäß Sure 2, Vers 106 abrogieren die zuletzt offenbarten Verse die älteren Verse des Koran. Sure 9 wurde zuletzt offenbart. Seine Befehle sind also zeitlos gültig und gehen im Zweifel vor.

Jetzt kommt ein sunnitischer Immigrant nach Deutschland. Dann lesen wir in seinem Buch:

“Sure 9, Vers 29: Kämpft gegen jene, die nicht glauben an Allah und den letzten Tag und die nicht verwehren, was Allah verwehrt hat, auch wenn es Leute des Buches sind, bis sie den Tribut eigenhändig und gedemütigt entrichten.”

Meinen sie etwa nicht, dass die Frage: “Abschwören oder Ausreisen” berechtigt ist? Ich meine schon.

Zugegebenermaßen habe ich danach Lau etwas verspottet. Insofern war er recht tolerant. Aber ich wollte sehen, ob er mitliest, und was seine Reaktion ist:

Nun, ich habe ein wenig warten müssen, aber er hat sich tatsächlich zu einem Kommentar durchgerungen:


425.
@ sickbu: Es reicht. Sie sind hier nicht erwünscht. Ich habe jetzt genug Kommentare von Ihnen hier stehen lassen, in denen immer wieder das Gleiche gesagt wird. Ihre Forderung an Muslime, abzuschwören oder auszureisen, habe ich gelöscht. Jedem weiteren Kommentar wird es ebenso ergehen.

Dass er dabei meine Forderung vollkommen entstellt hat, ist klar. Ich habe nicht gefordert, dass sie vollständig Ihrem Glauben abschwören, sondern gewisse Glaubensinhalte benannt, nämlich den Jihad. Das zeigt mir die intellektuelle Ausweglosigkeit und Flachheit des Herrn Lau. Statt sich inhaltlich mit der Position auseinanderzusetzen, wird sie entstellt wiedergegeben und eine rationale Replik erfolgt auch nicht. Er kann sich nur mit Zensur behelfen. Zumindest weiß ich jetzt, dass er aufmerksam mitgelesen hat. Er hat die Botschaft vernommen.

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